Der Besuch von Feltdecor an der Akademie der Schönen Künste in Kattowitz – Filz, Botanik und erste Prototypen.

Wie können Sie die Akustik in Innenräumen verbessern, ohne auf natürliche Motive und Design zu verzichten?

Es gibt Momente, in denen das Material aufhört, nur ein Material zu sein, und beginnt, ein Werkzeug zum Denken zu werden. Kein fertiges Produkt oder ein Katalogmuster. Nur ein Ausgangspunkt für Beobachtungen, Experimente und erste Designentscheidungen. Deshalb sind die Treffen mit den Studenten so wichtig für uns. Sie ermöglichen es uns, Filz nicht nur als Einrichtungselement zu sehen, sondern als ein Medium, durch das Form entsteht.

Während unseres Besuchs an der Akademie der Schönen Künste in Kattowitz hatten wir die Gelegenheit, uns mit Designstudenten des ersten Jahrgangs zu treffen, die an einer Aufgabe arbeiteten, die auf der Analyse der Natur und der Übersetzung ihrer Strukturen in ein räumliches Objekt basierte. Das Thema waren Formen, die von der Botanik inspiriert sind – Blätter, Stängel, Rhythmen, Unterteilungen, Schichtung und wie natürliche Arrangements vereinfacht, umgewandelt und in einen realisierbaren Vorschlag für die Inneneinrichtung verwandelt werden können. Das Endergebnis war nicht nur eine formale Übung, sondern die ersten Prototypen, um über Paneele, Trennwände, Lampen oder Deckenelemente nachzudenken.

Genau diese Phase ist am interessantesten. Der Moment, in dem das Projekt noch kein ‚fertiger Entwurf‘ ist, sondern beginnt, eine Richtung einzuschlagen. Die Studenten beobachteten zunächst die Natur, analysierten die Struktur ausgewählter Pflanzen und suchten nach ihrer strukturellen Logik, um diese Beobachtungen dann in vereinfachte, räumliche Anordnungen umzusetzen. Filz erwies sich hier als ein sehr natürliches Material – leicht, schnittfest und ermöglicht eine schnelle Überprüfung von Form, Dichte, Licht und der Beziehung der Elemente im Raum.

Aus unserer Sicht hat ein solches Treffen einen doppelten Wert. Einerseits zeigt es, wie junge Designer ihre eigene Formensprache entwickeln und wie sie nach der Beziehung zwischen Material und Funktion suchen. Andererseits erinnert es uns daran, dass Filz nicht von vornherein nur als fertige Akustikplatte oder dekorative Verkleidung behandelt werden muss. Er kann ein Material für das Prototyping sein, um zu lernen, in Modulen, Strukturen und Wiederholungen zu denken. Und genau das ist das Interessanteste an dieser Zusammenarbeit: zu sehen, wie aus der Inspiration der Vegetation die ersten räumlichen Interpretationen entstehen, die das Potenzial haben, zu realisierbaren Innenraumlösungen zu werden.

Studenten der Akademie der Bildenden Künste Kattowitz 2026, Filzportraits

Von der Naturbeobachtung zur räumlichen Form

Der ganze Prozess begann nicht mit einer vorgefertigten Idee für eine Tafel oder eine Lampe. Es begann mit dem Schauen. Die Studenten gingen zum Palmenhaus in Gliwice, suchten sich bestimmte Pflanzen aus und begannen, sie zeichnerisch zu analysieren: ihre Arten, Unterteilungen, die Anordnung der Blätter, die Art, wie sie wachsen, die Beziehungen zwischen den Elementen. Das war eine sehr wichtige Phase, denn es ging nicht darum, ein hübsches Blatt zu zeichnen, sondern zu verstehen, wie eine bestimmte Form funktioniert und was sie eigentlich ausmacht.

Dann kam die zweite Phase: die Vereinfachung. Die natürliche Form wurde in einfachere, wiederholbare Elemente zerlegt. Die Studenten suchten nach dem, was darin am wichtigsten war: Modul, Richtung, Spannung, Rhythmus. Anstatt die Natur buchstäblich zu kopieren, begannen sie, sie in eine Designsprache zu übersetzen. Und hier wird es wirklich interessant, denn das ist der Moment, in dem aus der Beobachtung eine Entscheidung wird. Was soll beibehalten werden? Was soll vereinfacht werden? Was soll wiederholt werden? Was soll vergrößert werden?

Der nächste Schritt waren Arbeitsmodelle und Interpretationen der Konstruktion ausgewählter natürlicher Objekte. Es war nicht mehr nur Arbeit auf einem Blatt Papier. Die Form begann in den Raum zu treten. Es gab erste Versuche, geschichtete Systeme zu bauen, durchbrochene Strukturen, Module, die man nebeneinander stellen und auf Licht, Schatten und das Verhältnis zwischen voll und leer testen konnte. Erst in dieser Phase begann Filz als brauchbares Prototypmaterial zu funktionieren. In Kombination mit Pappe konnte schnell geprüft werden, ob ein Konzept räumliches Potenzial hatte und ob es als Einrichtungselement weitergedacht werden konnte.

Am Ende entstanden räumliche Formen aus Karton und Filz, zusammen mit einem Vorschlag für ihre Verwendung in einem Innenraum: als Paneel, Decke, Paravent, Lampe oder anderes funktionales Element. Das ist wichtig, denn die Übung endete nicht mit der Form selbst. Von Anfang an ging es darum, zu sehen, wie ein solches Objekt in einem realen Kontext funktionieren könnte, wie es den Raum beeinflusst und welche Funktion es erfüllen könnte. Auf diese Weise arbeiteten die Studenten nicht nur an der Ästhetik, sondern am gesamten Designprozess: von der Analyse über die Synthese bis hin zur ersten Antwort auf die Frage, wo ein solches Objekt erscheinen würde und warum.

Das ist aus unserer Sicht das Interessanteste an solchen Aufträgen. Sie beobachten den Moment, in dem das Design wirklich beginnt. Die botanisch inspirierten Formen hier sind kein dekoratives Zitat aus der Natur, sondern ein Versuch zu verstehen, wie man aus der natürlichen Logik etwas bauen kann, das dann in der Innenarchitektur funktioniert. Und deshalb hat sich der Filz so gut in diese Übung eingefügt – er drängt keine Antworten auf, sondern erlaubt es, sie zu testen.

Filz als Material zum Experimentieren

Denken. In der Phase der ersten Prototypen brauchten die Studenten ein Material, mit dem sie schnell testen konnten, ob die Form im Raum Sinn macht, ob sie gut mit Schichten, Licht, Rhythmus und Maßstab funktioniert. Filz eignete sich hervorragend für diese Aufgabe, denn er ist leicht, flexibel, einfach zu schneiden und dennoch stabil genug, um komplexere Arrangements zu bauen.

Prototyp aus Filz, Blatt aus FilzDank dieser Eigenschaften war es möglich, recht schnell von der Beobachtung und Zeichnung zu einem physischen Objekt zu gelangen. Es war nicht nötig, auf eine komplexe Bearbeitung oder schwere Technik zu warten. Grundlegende Operationen genügten: Schneiden, Falten, Schichtung, Testen der Teilungen. Das ist in der Phase des Designlernens sehr wichtig, denn das Material sollte eine Idee nicht aufhalten. Es sollte helfen, sie zu testen.

Filz zeigt auch etwas, das bei der Inneneinrichtung extrem wichtig ist: das Verhältnis zwischen Fläche und Raum. Auf der Oberfläche haben Sie ein einfaches, flaches Blatt. Aber wenn Sie anfangen, sie zu schneiden, zu biegen, zu schichten oder zu rhythmisieren, entsteht sofort Tiefe. Licht und Schatten erscheinen. Es entsteht eine weiche Grenze zwischen Oberfläche und Form. Und genau das war bei den entstehenden botanisch inspirierten Prototypen deutlich zu sehen – selbst die einfachen Module begannen, sehr ausdrucksstarke, räumliche Arrangements zu bilden.

Aus unserer Sicht war es auch besonders interessant, denn genau so funktioniert Filz später in echten Innenräumen. Als Wandpaneel, Deckenelement, Raumteiler oder dekoratives Detail funktioniert er sehr oft nicht nur mit Farbe oder Kontur. Er arbeitet mit Schichten. Mit Dichte. Mit Schatten. Wiederholung. Die gleichen Mechanismen waren bereits in den Studentenmodellen zu erkennen, nur noch in einer reinen, experimentellen Form. So konnten wir einen neuen Blick auf unser Produkt werfen.

Filz hat sich auch als ein Material erwiesen, das die Interpretation der Natur gut annimmt. Er ist visuell weich, eignet sich aber auch für die Ordnung. Er ermöglicht die Konstruktion sowohl organischer als auch geometrischer Formen. Es kann mit Präzision geschnitten oder eher intuitiv bearbeitet werden. So mussten die Studenten nicht zwischen Freiheit und Kontrolle wählen. Sie konnten verschiedene Wege ausprobieren. Und das ist in der ersten Phase der Designausbildung sehr wertvoll.

Was bringt eine solche Zusammenarbeit für die Studenten und für uns?

Aus der Sicht der Studenten ist dies mehr als nur eine einmalige Materialübung. Es ist ein Kontakt mit einem Material, das nicht nur im Klassenzimmer, sondern auch in realen Innenarchitekturprojekten funktioniert. Auf diese Weise hört Filz auf, ein abstraktes Material aus einem Muster zu sein und beginnt, etwas zu sein, das sofort in einen konkreten Kontext eingebettet werden kann: eine Platte, eine Trennwand, eine Lampe, eine Decke. Ein solcher Moment ist wichtig, denn er lehrt Sie, nicht nur an die Form, sondern auch an die Anwendung zu denken.

Es ist auch eine sehr gute Übung in Sachen Designverantwortung. Die Studenten hatten am Ende nicht nur ein beeindruckendes Modell vor sich. Sie mussten die Frage beantworten, wo das Objekt eingesetzt werden sollte, welche Funktion es haben würde und wie es sich in der Einrichtung verhalten würde. Würde es in den Hintergrund treten oder eine dominante Rolle spielen? Würde es den Raum gliedern oder unterteilen? Würde es mit dem Licht und dem Rhythmus arbeiten oder würde es dem Benutzer das Gefühl geben, eingeschlossen zu sein? Es sind Fragen wie diese, die eine gute Grundlage für die weitere Designarbeit bilden.

Auch für uns ist ein solches Treffen von großem Wert. Einerseits können wir das Material außerhalb des Katalogs und das fertige Produkt zeigen. Andererseits können wir sehen, wie Menschen, die noch nicht an etablierte Muster gebunden sind, darauf reagieren. Die Studenten werfen einen neuen Blick darauf. Sie sehen oft ein Potenzial in dem Material, das man bei der täglichen Designarbeit leicht übersieht. Sie beginnen nicht mit der Frage, welches Produkt sie daraus machen sollen. Sie beginnen mit der Frage, was aus diesem Material herausgeholt werden kann.

In Situationen wie dieser wird die Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen Bildung und Praxis deutlich. Die Universität bietet den Raum, um zu experimentieren, zu testen und Fehler zu machen. Die Marke liefert das Material, das Wissen über seine Eigenschaften und einen breiteren Anwendungskontext. Wenn diese beiden Welten aufeinandertreffen, entsteht etwas, das viel interessanter ist als eine einfache Produktpräsentation. Es entsteht ein Prozess, bei dem Sie wirklich sehen können, wie ein Projekt entsteht.

Für uns ist es auch eine Erinnerung daran, dass das Material nicht bei seiner nützlichen Funktion stehen bleibt. Filz kann akustisch, dekorativ, modular und leicht zu montieren sein, aber bevor er zu all diesen Dingen wird, ist er zunächst ein Material, das zum Denken anregt. Und genau das war das Wertvollste an dieser Zusammenarbeit: die Möglichkeit zu sehen, wie die ersten bewussten Designentscheidungen aus einfachen Beobachtungen und Experimenten erwachsen.

Dieser Besuch war für uns wichtig, nicht weil wir das Material zeigen konnten. Das Interessanteste war, dass wir sehen konnten, was damit passiert, wenn es in die Hände von Menschen gelangt, die gerade dabei sind, ihre eigene Art des Denkens über Design zu entwickeln. Ohne vorgefertigte Schemata. Ohne auf eine bestimmte Lösung festgelegt zu sein. Mit großer Aufmerksamkeit für Form, Rhythmus und die Beziehung zwischen Natur und Raum.

Die von der Botanik inspirierten Prototypen der Studenten zeigten, dass selbst ein einfaches Material sehr unterschiedliche Gedankengänge auslösen kann. Einige entschieden sich für leichte und durchbrochene Strukturen, andere bauten kompaktere, geschichtete, fast architektonische Formen. Jeder dieser Ansätze zeigte etwas, das im Design am wertvollsten ist: der Versuch, eine Beobachtung in eine bewusste räumliche Entscheidung umzusetzen.

Dekorative Wand-AkustikplattenAus unserer Sicht ist es auch eine Erinnerung daran, dass Filz nicht nur als fertige Platte oder Endprodukt verstanden werden muss. Er kann ein Material sein, das hilft, erste Ideen zu suchen, zu testen und zu entwickeln. Deshalb sind solche Treffen so wichtig. Sie verbinden Bildung mit Praxis. Sie zeigen, dass der Abstand zwischen der Analyse der Natur und dem realen Objekt im Inneren nicht so groß ist, wie man meinen könnte.

Wir möchten der Akademie der Schönen Künste in Kattowitz für die Einladung und die Möglichkeit danken, an diesem Prozess teilzunehmen. Wir sind gespannt darauf, wie sich diese ersten Experimente weiterentwickeln und wie aus der einfachen Inspiration der Vegetation weitere, zunehmend reifere Formen entstehen werden.